60 Jahre Pasci ==> 60 Tage Toskana
- Thomas

- vor 1 Tag
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"Wer cha fäschte, dä cha au schaffe". Wie habe ich diesen Spruch früher gehasst. In jungen Jahren, nach einer durchzechten Nacht, anderntags mit Augen wie "klöpfti Secherige" im Büro, das Hämmern im Kopf zählt die tausenden von Sekunden bis zum Feierabend. Und dann der Arbeitskollege mit diesem unsäglichen Spruch, dessen Sinn ich nie wirklich verstanden habe.
Wenn der etwas modifizierte Spruch im Sinne von "dä cha fäschte ond dä cha au schaffe" zu jemandem passt, dann zu Pascal Berset. Nicht zu verwechseln mit dem Alain "bleiben Sie zu Hause" Berset. Im Gegensatz zu seinem berühmten Namensvetter will Pascal nicht zu Hause bleiben, sondern in die Toscana, und das für 60 Tage. Aber nun der Reihe nach.
Mein früherer Job bei Redinvest brachte es mit sich, dass ich häufig Anlässe von Gewerbevereinen etc. besuchte. Diese Anlässe enden ja häufig mit einem "Networking-Apéro", das ist so etwas wie ein Speed-Dating für Geschäftsleute. Anfänglich stand ich da jeweils eher etwas schüchtern an einem Stehtischchen und wartete, bis mich jemand erlöste und in ein Gespräch verwickelte. Mit der Zeit fand ich aber Gefallen daran, nicht nur die Leute, die ich schon kenne, anzusprechen, sondern vor allem jene Leute, die ich zum ersten Mal sehe. So auch im Spätsommer 2024. So lernte ich Mario kennen. Er arbeitet in Sursee bei einer grossen Versicherung. Es ergab sich ein interessantes Gespräch, bei welchem wir irgendwie auch auf unser Toskana-Projekt zu sprechen kamen. "Ich kenne jemand, der noch eine Ferienhaus in der Toskana sucht und gebe ihm mal deine Koordinaten, er heisst Pascal", meinte Mario.
Einige Tage vergingen, da meldete sich Pascal Berset per Telefon und schlug vor, dass wir uns doch mal zu einem Feierabendbier treffen sollen und er mir dann von seinen Plänen erzählen kann. Jemand, der sich zu einem Feierabendbier mit mir treffen möchte, ist mir ja schon mal von Grund auf sympathisch. Dass er das Bier zusammen mit Freunden selber braut, erfuhr ich beim Treffen bei ihm. Fein wars, sehr fein sogar!
Pascal hatte für seinen 60. Geburtstag einen speziellen und meiner Meinung nach genialen Plan: Zum Anlass dieses Wiegenfestes will er 60 Tage in der Toskana verbringen. In diesen zwei Monaten wochenweise Zeit mit Familie und Freunden verbringen, feiern, geniessen und zusammensein. Anstelle eines grossen Partyabends, wo sich alle Gäste versammeln, eine auf 8 Wochen gestreckte Party mit Abschnittsgästen. Ein Kommen, Feiern, Gehen, Kommen, Feiern, Gehen etc. also. Für dieses Vorhaben suchte er zwei bis drei Destinationen. Er entschied sich, vier dieser acht Wochen bei uns im Podere L'Immacolata zu verbringen. Zwei bei uns, dann zwei in der Nähe von Lucca, wieder zwei bei uns und die letzten zwei in Bolgheri. Die Eingeladenen konnten sich frei für ihren Wunschzeitraum eintragen und individuell anreisen. In der Zeit des Zusammenseins war das dolce far niente angesagt. Nebst reichlich essen und trinken und dem relaxen am Pool standen aber auch Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten, wandern oder Biketouren auf dem Programm. Ungezwungen liessen sie die Tage kommen, wie sie kamen. Keine Aktivitätspläne, keine to-do-Liste. Das einzige "Muss" war, dass Pascal täglich ein bis zwei Stunden anfallende Büroarbeiten erledigte, um sein Geschäft in der Schweiz am Laufen zu halten. Digitalisierung sei dank.
In einem Gespräch mit Pascal im Nachgang dieser Zeit fragte ich ihn, ob seine Erwartungen an diese Zeit im Spätsommer 2025 erfüllt wurden. Er meinte, "ich hatte eigentlich gar keine genauen Erwartungen. Es war einfach nur geil". Schön, wenn man dieses Resümee nach einer 60-tägigen Geburtstagsfeier ziehen kann. Alles richtig gemacht. Nebst den Erinnerungen bleibt ein Tagebuch, in welches die insgesammt 45 Gäste täglich in Wort und Polaroid-Bild festhielten, was lief.
Was hat das nun mit arbeiten zu tun? Bis jetzt ging es in diesem Blog ja ums festen. OK, ein rekordverdächtig lange Geburtstagsparty ist am einen oder anderen Morgen auch Arbeit für den Gastgeber, aber das hat mit der in der Einleitung erwähnten Arbeit nichts zu tun.
Pascal ist angetan vom Podere L'Immacolata. Er erwähnte gegenüber Esti einmal, dass er eigentlich gerne einmal zu einer Helferwoche kommen würde. Wir veranstalten ja im März jeweils eine Helferwoche. Dieses Jahr kamen Pascal mit seinen Freunden Urs alias Woody und Adi. Es war, und das meine ich wie ich es schreibe, von A - Z eine absolut coole Woche. Pasci zeigte sich als Meister des Improvisierens beim Erstellen des "Zwingers" für Kenay und bei zahlreichen kleineren und grösseren Projekten im und ums Haus. Woody und Adi zeigten Können und Ausdauer in Gartenarbeiten und als Krönung der Woche erstellten sie einen Gehweg im Garten, welcher schon länger auf Estis Wunschliste stand. Es wurde die römische Via Appia Antica im Kleinmassstab. Woody und Adi zählten natürlich auch zu den Geburtstagsgästen von Pasci und so war es auch für sie eine vertraute Umgebung. Am Tag arbeiten, am Abend zusammen kochen und reichlich essen. Als Break unter der Woche fuhren wir zu einer Weindegustation beim Familienbetrieb "il Pupillo" in Scarlino. Einer ihrer Weine stellen sie aus der toskanischen Traube Ciliegiolo her. Auch haben sie Weine mit der Canaiolo-Traube, die ihren Ursprung schon bei den Etruskern, dem Urvolk der Toskana, fand. Gegen Ende der Woche war dann der Besuch in der Nannoni-Brennerei, die den Grappa aus dem Sangiovesetrester des Brunellogebietes herstellt, angesagt. Der Mensch lebt ja nicht von Arbeit allein.
Für mich als Einzelkämpfer der letzten drei Monate war diese Helferwoche ein Higlight in jeder Beziehung. Was sechs zusätzliche Hände in einer Woche zu leisten vermögen, ist einfach sagenhaft. Es wäre aber nur halb so wertvoll, wenn die genussvollen und gemütlichen Stunden am Abend, notabene inklusive Privatkonzert von Adi, fehlen würden. "Wer cha fäschte, dä cha au schaffe". Beweis erbracht. Pasci, Woody, Adi: Grazie di cuore!
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